• Janine

REVIEW: Roll Player


Inspiriert von Pen & Paper Spielen, erstellt man in Roll Player mit Hilfe von Dice-Placement seinen Charakter. Dabei versucht jeder Spieler mit den Würfeln die abverlangten Attributwerte von Hintergrundgeschichten- und Klassenkarten des eigenen Charakters zu erfüllen, um zum Schluss der gelungenste Held zu werden.

Stellt euch vor...

... Ihr startet ein Abenteuer, es müssen Bösewichte besiegt und vielleicht sogar Drachen getötet werden. Jedoch wisst ihr noch gar nicht so recht, wer ihr überhaupt seid... und so begebt ihr euch in eine Selbstfindungsphase, bei der ihr versucht eure Fähigkeiten entsprechend eurer Berufung, Gesinnung und eurer Hintergrundgeschichte auszubauen, damit ihr später der Held sein könnt, der von dem nächsten Abenteuer verlangt wird.

INHALT & SPIELABLAUF

Roll Player kommt mit:


Die einzelnen Komponenten sind qualitativ gut und haben ein einheitlich ansprechendes Spieldesign.

Das Artwork stammt von JJ Ariosa und Luis Francisco und passt sehr gut zum Thema. Es erinnert an ein klassisches Fantasy Setting.

Die Regel umfasst 15 Seiten mit einer Kurzübersicht am Ende. Sie ist übersichtlich und verständlich geschrieben.

KURZ ZUM SPIELABLAUF

In Roll Player müsst ihr mit dem geschickten Einsetzen von Würfeln euren Charakter erstellen und Siegpunkte sammeln. Dafür erhält jeder ein zufälliges Charakter- Tableau und eine zufällig gezogene Klasse, Gesinnung und eine Hintergrundgeschichte. Die drei Karten werden auf die vorgesehenen Plätze auf das Charakter- Tableau gelegt.


In der Mitte eures Tableaus findet ihr eure Attribute (wie z.B. Stärke, Intelligenz oder Charisma), die ihr mit der Platzierung von Würfeln während des Spiels festlegt. Auf eurer Klassenkarte seht ihr, welche Werte ihr mit den Würfeln bei euren Attributen erreichen müsst, um die meisten Punkte zu ergattern. Bei einem Schurken, müsstet ihr beispielsweise darauf achten, dass ihr möglichst hohe Würfel in dem Bereich Geschicklichkeit steckt, um später die abgebildeten Punkte zu erhalten.

Die Hintergrundgeschichte zeigt euch 7 farbige Plätze im Attributsbereich. Ihr müsst während des Spiels darauf achten, genau diese 7 Plätze mit Würfeln der vorgesehen Farbe zu versehen. Umso mehr ihr richtig platziert bekommt, umso mehr Punkte gibt es zum Schluss.

Eure Gesinnung zeigt an, ob ihr eher gut, böse, rechtschaffen oder chaotisch seid. Je nach gezogener Gesinnung, gibt es Pluspunkte aber auch Minuspunkte. Die Richtung der Gesinnung kann man durch Fähigkeiten und Merkmale beeinflussen, die man auf dem Marktplatz erhält.

Zu Beginn jedes Spiels, ziehen die Spieler 8 Würfel, würfeln diese und setzen diese nach belieben ein. Danach startet die erste Runde.

Eine Spielrunde sieht wie folgt aus:


  • Der Startspieler zieht die entsprechende Würfelanzahl und legt diese auf die Zahlenkarten 1,2,3 (siehe Abbildung unten). (Variiert jenach Spieleranzahl)

  • Nun nimmt sich jeder einen Würfel mit Zahlenkarte und setzt den Würfel beliebig in seinen Attributsbereich ein, beginnend mit dem Startspieler.

  • Die Zahl auf der Karte ist nun die Initiative für diese Runde und gibt an, wer nun als erstes den Markt besuchen kann. Auf dem Markt liegen nun mehrere Karten aus, die die Spieler kaufen können. Der Spieler mit der Initiative von 1 fängt an. Karten auf dem Markt bringen entweder verschiedene Vorteile, verschieben die Gesinnung oder bringen Siegpunkte.

  • Sind im Attributsbereich keine freien Plätze mehr vorhanden, endet das Spiel und jeder zählt seine Siegpunkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

MÖNCH MIT HITZIGEM GEMÜT

Da ich hin und wieder auch gerne mal ein Pen & Paper mit Freunden genieße, hat mich das Thema von Roll Player natürlich direkt begeistert und dadurch kam es bei uns auch recht schnell auf den Tisch. Zunächst gefiel mir gar nicht, dass man Klassen-, Geschichts- und Gesinnungskarte zufällig ziehen sollte. "Das macht Rollenspiel-technisch doch gar keinen Sinn!" dachte ich mir. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es für dieses Spiel genau richtig ist und doch zu dem ein oder anderem Schmunzler beitrug. Man grübelt dadurch nicht lange über interessante Kombinationen, sondern bekommt eine Karte zugeteilt und kann auch schon mit der weiteren Charakterentwicklung starten. Und wer weiß, vielleicht bekommt man für den nächsten Pen & Paper Abend sogar noch die ein oder andere Inspiration.

Aber erwartet hier nicht zuviel Rollenspiel- oder Storytiefe, denn darauf ist Roll Player nicht ausgelegt. Das heißt, wer hier richtige tiefgehende Charakterentwicklung erwartet in einer bereits komplett entwickelten Spielwelt, den muss ich leider enttäuschen, denn bis auf ein wenig Flufftext auf Klassen-, Hintergrundgeschichts- und Marktkarten ist hier keine weitere Story zu finden. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm, da man so vielleicht auch Wenigspieler mal dazu bekommt sich an den Tisch zu gesellen.

Das Zusammenstellen des Charakters ist auch nicht das einzige, was das Spiel ausmacht. Ähnlich wie bei dem Spiel Sagrada, hat man hier ein spezielle Vorgabe, wie die Würfel platziert werden sollten, um möglichst viele Punkte zu ergattern. Doch anders wie bei Sagrada muss man die Würfel in einer Reihe addieren, was auch manchmal erfordert genau abzuschätzen, welche Attributswerte man erreicht und welche man eher vernachlässigen sollte.

Zusätzlich gefällt es uns auch sehr gut, dass man nicht nur nach Würfelzahl und -farbe auswählt, sondern auch auf die Initiative achten muss, um möglichst gute oder passende Gegenstände kaufen zu können um die richtige Gesinnung oder ein Set von Ausrüstungsgegenständen voll zu bekommen. Denn umso mehr passende Ausrüstungsgegenstände man sammelt, um so mehr Punkte gibt es zum Schluss.

FAZIT

Roll Player ist ein sehr gutes Dice-Placement Spiel im Fantasy Setting. Für den Kenner hat es genau das richtige Maß an Grübelei, um auch noch entspannt am Abend nach einem harten Tag auf der Arbeit gespielt zu werden.

Erwartet jetzt jedoch keine tiefe Hintergrundgeschichte, denn darauf ist das Spiel nicht ausgelegt. Roll Player ist mit seinen Flufftexten auf den Karten eher mit "Fantasy Light" zu betiteln und genau so soll es bei dem Spiel auch sein.

Für alle die noch nicht überzeugt sind, da man ja "nur" einen Charakter entwickelt: Pegasus hat bereits die Erweiterung "Monsters & Minions" für Deutschland angekündigt, bei der wir mit unserem Helden nun auch gegen Monster kämpfen werden. Die Erweiterung soll im Mai erscheinen.

2 SPIELER SPIELSPASS CHECK

Perfekt! Es macht Solo schon riesig Spaß doch zu zweit ist es wirklich Klasse! Das Spiel hat mir von all den Runden die ich bisher gespielt habe so am Besten gefallen. Man hat Interaktion mit dem Gegenüber und hat nicht den Eindruck, dass jeder nur für sich spielt. Es spielt sich wirklich flüssig, daneben ist die Wartezeit wirklich sehr angenehm.

Kurzfassung:

+ Tolles Thema für Pen & Paper Freunde - glückslastig + Hohe Wiederspielbarkeit - Charakter wird erst in der Erweiterung benutzt + Feierabendtauglich für Kenner


GESAMT: